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Published: 09.01.26

Co-Creation in der Praxis: Wie im Projekt GAIN User Stories gemeinsam entwickelt wurden

Wie lassen sich Diskriminierung, Grenzüberschreitungen und emotionale Belastungen im Einsatz realistisch für ein VR-Training abbilden? Im Projekt GAIN wurde diese Frage im Rahmen eines qualitativen Co-Creation Workshops am AIT - Austrian Institute of Technology, Center for Technology Experience, in Wien gemeinsam mit Einsatzkräften aus verschiedenen Rettungsorganisationen bearbeitet. Projektpartner usecon und die Johanniter Forschung führten gemeinsam mit dem Projektkoordinationsteam vom AIT die Teilnehmenden durch den Workshop.

Ein sicherer Rahmen als Grundlage

Da der Workshop potenziell belastende Inhalte berührte, wurde großer Wert auf einen geschützten Rahmen gelegt:

  • Transparente Vorstellung des Ablaufs,
  • Trigger Warnung zu möglichen belastenden Themen,
  • Rückzugsraum und Stopp-Optionen,
  • Klare Gesprächsregeln (Vertraulichkeit, Respekt, keine Bewertung).

Diese Rahmenbedingungen waren entscheidend, um Offenheit und Vertrauen zu ermöglichen.

Einstieg: Grenzen körperlich erfahrbar machen

Zum Einstieg wurde eine Distanz- und Komfortzonenübung durchgeführt. In Paaren näherten sich die Teilnehmenden einander an und signalisierten mit einem klaren „Stopp“, ab wann sich die Situation unangenehm anfühlte. Die anschließende Reflexion machte deutlich, wie individuell Grenzen wahrgenommen werden – ein zentrales Thema für spätere VR-Szenarien.

Situationen rekonstruieren – Bausteine nutzen

Im nächsten Schritt kamen Bausteine als Methode zum Einsatz. Die Teilnehmenden bauten daraus individuelle Modelle zu erlebten oder beschriebenen Diskriminierungssituationen im Einsatzkontext.

Co Creation Workshop für GAIN

Im Mittelpunkt standen:

- beteiligte Personen

- räumliche Anordnung

- situative Dynamiken

In einer moderierten Storytelling-Runde wurden die gebauten Szenen anhand von Kontext, Ereignis und Wirkung erläutert und dokumentiert.

Die emotionale Ebene sichtbar machen

In einer zweiten „Bauphase“ wurden die Modelle gezielt durch zusätzliche Materialien verändert, um emotionale Wahrnehmungen auszudrücken – etwa durch Größenverhältnisse, Farben, Verzerrungen oder Symbole. So konnten Gefühle wie Enge, Ohnmacht, Stress oder Sprachlosigkeit jenseits rein sprachlicher Beschreibungen sichtbar gemacht werden. Ein Ziel des VR Training soll es sein Diskriminierung auch für Personen erfahrbar machen, die in der Realität wenig davon betroffen sind. Ein wichtiger Faktor im Alltag ist der Perspektivwechsel, das Erkennen von Diskriminierung und das gegenseitigen Verständnis.

Vom Workshop zum VR-Training

Die Ergebnisse des Workshops fließen gemeinsam mit anderen Ergebnissen des Projektes direkt in die nächsten Schritte ein:

  1. Verdichtung der Erkenntnisse zu User Stories
  2. Übersetzung in Storyboards
  3. Entwicklung technischer Low-Fidelity-Prototypen
  4. Iterative Reviews und Weiterentwicklung bis hin zu Feldtests

Der Co-Creation Workshop zeigte eindrucksvoll, wie wichtig es ist, zukünftige Nutzer*innen als Expert*innen ihres Alltags einzubinden – um VR-Trainings zu entwickeln, die nicht nur technisch innovativ, sondern auch wirksam, verantwortungsvoll und praxisnah sind.