Wie können Einsatzkräfte für diskriminierende, grenzüberschreitende oder herausfordernde Situationen im Rettungsalltag sensibilisiert und gleichzeitig in ihrem Handeln gestärkt werden? Und welche Rolle kann Virtual Reality dabei spielen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das GAIN-Team im September in einem Workshop gemeinsam mit erfahrenen Diversity-Trainerinnen Dieses Mal mit Expertinnen außerhalb des Rettungsumfeldes, um neue Perspektiven, vor allem die Erfahrung als Diversity Trainerinnen, mit einzubringen.
Im Mittelpunkt stand der Austausch darüber, was ein gutes und verantwortungsvolles Diversity-Training ausmacht und wie sich diese Erfahrungen auf ein VR-gestütztes Trainingskonzept übertragen lassen. Diskutiert wurden unter anderem der Umgang mit emotional herausfordernden Situationen, die Bedeutung eines sicheren Lernraums sowie die Rolle von Reflexion und professionellem Debriefing.
Klar ist, XR darf nicht als Technologie um der Technologie willen eingesetzt werden, sondern muss Vorteile bringen – unser Ansatz ist unter anderem, alle Teilnehmer*innen eines Workshops abzuholen, die mit und die ganz ohne Diskriminierungserfahrung. Ein Punkt ist dabei das Einnehmen von Perspektiven – wie fühlt es sich an, diskriminiert zu werden? Wie ist das, wenn man zu zweifeln beginnt, der Herzschlag steigt, sich das Sichtfeld einschränkt und man das gefühlt hat machtlos zu sein? Die Immersion in einer virtuellen Umgebung, ergänzt mit multisensorischen Eindrücken wird durch XR-Technologie ermöglicht. Plötzlich kann man sich vorstellen, wie es in so einer Situation sein könnte. Dies ist ein wichtiger Aspekt des GAIN-Ansatzes und wurde im Workshop am XR-Prototyp ausprobiert und diskutiert.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Empowerment und Allyship: Training soll nicht nur dabei unterstützen, Diskriminierung zu erkennen, sondern auch unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten aufzeigen – sowohl für unmittelbar Betroffene als auch für Kolleg*innen, die eine Situation beobachten und unterstützend eingreifen können. Dabei spielen Perspektivwechsel, realitätsnahe Szenarien und unterschiedliche Formen von Diskriminierung sowie Intersektionalität eine wichtige Rolle.
Die Ergebnisse des Workshops fließen nun in die weitere Konzeption der GAIN-Trainingsstrategie ein. Dabei gilt: VR ist kein Selbstzweck, sondern soll gezielt dort eingesetzt werden, wo immersive Erfahrungen einen besonderen Mehrwert bieten – etwa um Situationen erfahrbar zu machen, Reflexion anzuregen und neue Handlungsmöglichkeiten in einem geschützten Rahmen zu erproben.